Jedes moderne Android-Telefon hat einen leistungsfähigen Mehrkonstellations-GPS-Chip. Der Trick ist nur, ihn dazu zu bringen, dir eine Geschwindigkeit anzuzeigen, denn Android hat keinen eigenen systemweiten Tachometer. Es gibt mehrere Wege, die meisten kostenlos und die meisten schon auf deinem Telefon. Hier steht, was jeder davon kann, wo er Grenzen hat und welcher wofür taugt. Das ist das Android-Gegenstück zu unserer iPhone-Tacho-Anleitung, und da Android weltweit die größere Plattform ist, fällt die Auswahl wenn überhaupt etwas breiter aus.
1. Tachometer in Google Maps (eingebaut)
Google Maps ist auf nahezu jedem Android-Telefon vorinstalliert
und hat einen Tachometer in den Einstellungen versteckt. Einmal
aktiviert, zeigt er deine aktuelle Geschwindigkeit in einem
kleinen Feld in der unteren Ecke der Karte, sowohl bei der
Schritt-für-Schritt-Navigation als auch in den meisten Regionen
beim freien Fahren mit geöffneter Maps-App. Die Einstellung ist
leicht zu finden, wenn man den Weg kennt: Maps >
Einstellungen > Navigation > Tachometer. Tippe in
der App auf dein Profilbild, wähle Einstellungen,
dann Navigationseinstellungen, scrolle zum
Abschnitt mit den Fahroptionen und aktiviere den
Tachometer (und die Tempolimits,
wo dein Land sie unterstützt).
Mit beiden Optionen aktiv sitzt das Geschwindigkeitsfeld in der Ecke und wird rot, wenn du mehr als ein paar mph über dem angezeigten Limit fährst. Das ist das, was Android einem Standard-Tachometer am nächsten kommt, und für die meisten Fahrer reicht es vollkommen. Das Feld aktualisiert sich etwa einmal pro Sekunde, glatt genug, um live zu wirken, ohne bei jedem kleinen GPS-Wackler zu zittern. Der Haken ist derselbe wie bei Apple Karten: Du musst Google Maps im Vordergrund halten. Wechselst du zu einem Podcast oder zum Home-Bildschirm, verschwindet das Feld. Es gibt kein dauerhaftes Overlay, keine Benachrichtigung, keine Geschwindigkeit auf dem Sperrbildschirm. Google hat den Tachometer als Maps-Funktion belassen statt als Systemfunktion, weshalb eine Drittanbieter-App oder ein Browser-Tool weiterhin der einzige Weg ist, eine Geschwindigkeitsanzeige zu bekommen, die nicht um eine Navigationskarte herumgebaut ist.
2. Geschwindigkeit im Android-Auto-Dashboard
Wenn dein Auto Android Auto unterstützt (die meisten Autos ab etwa 2017 tun das), wandert der Google-Maps-Tachometer direkt auf den Bildschirm im Auto. Telefon anschließen, Maps in Android Auto starten, und dasselbe Geschwindigkeitsfeld erscheint auf dem größeren eingebauten Display, neben der Karte und deiner Musik. Das ist die sauberste Lösung für den Alltag: Die Geschwindigkeit ist sichtbar, ohne das Telefon in der Hand zu halten, Apps zu wechseln oder lange von der Straße wegzuschauen.
Die Geschwindigkeit in Android Auto kommt aus demselben GPS-Chip im Telefon wie Maps auf dem Gerät selbst, die Genauigkeit ist also identisch. Der einzige Unterschied liegt in der Darstellung. Bei einer kabelgebundenen Android-Auto-Verbindung beträgt die Verzögerung zwischen Geschwindigkeitsänderung und Anzeige etwa eine Sekunde, drahtloses Android Auto legt einen kleinen Bruchteil drauf. Beachte, dass das Feld nur erscheint, wenn Maps die aktive App auf dem Autobildschirm ist, dieselbe Vordergrund-Einschränkung wie auf dem Telefon.
3. Tachometer im Browser (ohne Installation)
Du brauchst eigentlich gar keine App. Chrome unter Android (und jeder andere moderne Android-Browser) stellt dieselben GPS-Daten über die Standard-Geolocation-API zur Verfügung. Browser öffnen, einen Web-Tachometer wie gpsspeedometer.io aufrufen, tippen, einmal die Ortungsfreigabe erteilen, und die Seite liest deine Geschwindigkeit direkt vom Betriebssystem in Echtzeit. Nichts wird geladen, nichts installiert, und dein Standort verlässt das Gerät nicht.
Der Vorteil gegenüber Google Maps ist der einzige Zweck: eine große Geschwindigkeitsanzeige, ein Umschalter zwischen MPH und KPH, sonst nichts, was um Bildschirmplatz konkurriert. Unter Android kannst du die Seite außerdem über das Chrome-Menü zum Home-Bildschirm hinzufügen, was ihr ein App-artiges Symbol und eine Vollbildansicht gibt, ohne dass tatsächlich etwas installiert wird. Der Nachteil ist der bekannte: Du musst den Browser im Vordergrund halten, und die Seite hört auf zu aktualisieren, wenn der Bildschirm in den Ruhezustand geht, also spielt deine Display-Zeitsperre eine Rolle. Für eine einmalige Fahrt, einen einzelnen Lauf oder einen kurzen Abgleich mit dem Armaturenbrett ist das der Weg, den du zuerst probieren solltest. Keine Bindung, keine Installation, kein Konto, und deine Standortdaten verlassen das Telefon nicht.
4. Tacho-Apps aus dem Play Store
Eine eigene App lohnt sich in dem Moment, in dem du mehr willst als nur eine Zahl: Tourenaufzeichnung, Streckenkarten, Verlauf der Höchstgeschwindigkeit, ein HUD-Modus, der gut lesbare Ziffern nachts auf die Windschutzscheibe spiegelt, oder eine 0-bis-60-Messung. Davon ist im Browser nichts möglich, und Google Maps zeichnet keine Fahrten zum späteren Anschauen auf. Der Play Store hat Dutzende Tacho-Apps, die sich grob in drei Typen einteilen lassen. Es gibt einfache kostenlose Tachometer (meist mit Werbung), Touren- und Dashcam-artige Apps, die Strecken und Statistiken aufzeichnen, und HUD- oder Motorrad-Apps mit großziffrigen Nachtanzeigen.
Zwei Vorbehalte, bevor du eine installierst. Erstens die Berechtigungen: Ein Tachometer braucht nur den Standort, sei also vorsichtig bei jeder App, die zusätzlich nach Kontakten, dem Mikrofon oder dem Telefonstatus fragt. Zweitens die Werbung: Viele kostenlose Apps schalten aufdringliche Vollbildwerbung, die mitten in der Fahrt auftaucht, was sowohl nervig als auch unsicher ist. Lies die aktuellen Bewertungen. Eine kuratierte Auswahl, welche Apps sich wirklich lohnen, findest du in unserer Übersicht der besten Tacho-Apps. Welche du auch wählst, denk daran: Jede App liest denselben GPS-Chip im Telefon und bekommt dieselbe Zahl, die Unterschiede liegen in der Oberfläche und den Extras drum herum.
5. Samsung, OnePlus und andere Herstellereigenheiten
Android ist über die Marken hinweg nicht völlig einheitlich,
also verschieben sich ein paar Details je nachdem, wer dein
Telefon gebaut hat. Auf Samsung-Galaxy-Telefonen sind die obigen
Google-Maps-Schritte identisch, aber Samsung liefert zusätzlich
eine aggressive eigene Akku-Optimierung mit, die GPS im
Hintergrund drosseln kann. Wenn deine Geschwindigkeit hinterherhinkt
oder einfriert, prüfe Einstellungen > Akku >
Nutzungslimits im Hintergrund und stelle sicher, dass
deine Tacho-App oder dein Browser nicht schlafen gelegt wird.
Samsung-Geräte bieten außerdem pro App die Wahl zwischen Präzise
und Ungefähr, und ein Tachometer braucht Präzise, um überhaupt zu
funktionieren.
OnePlus, Xiaomi und andere Telefone mit eigenen Oberflächen verhalten sich ähnlich: Der Google-Maps-Tachometer funktioniert überall gleich, weil es eine Google-App ist, aber jede Marke hat ihre eigenen Akku- und Standortverwaltungs-Bildschirme, die Drittanbieter-Apps stören können. Die Lösung ist immer dieselbe. Erteile den präzisen Standort, schalte die Akku-Optimierung für die jeweilige App aus, und die GPS-Geschwindigkeit liest sich genau so wie auf einem unveränderten Pixel.
Wie genau ist Android-GPS wirklich?
Fast jedes Android-Telefon der letzten Jahre nutzt einen Mehrkonstellationsempfänger, der GPS, GLONASS, Galileo und BeiDou gleichzeitig hört, dieselbe Ausstattung wie in einem iPhone oder einem eigenständigen Handgerät. Unter offenem Himmel und nach ein paar Sekunden Einschwingzeit ist die Geschwindigkeitsanzeige bei Autobahntempo auf 0,5 bis 2 mph genau. Das ist genauer als der ab Werk eingestellte Tachometer im Auto, der aus rechtlichen Gründen meist 2 bis 5 mph zu hoch anzeigt. Der Wert stammt aus der Doppler-Verschiebung der Satellitensignale, nicht aus dem Vergleich aufeinanderfolgender Positionen, daher sammelt sich kein Drift an. Die Physik dahinter erklären wir ausführlich in wie genau ist die GPS-Geschwindigkeit deines Telefons.
Die Genauigkeit leidet in drei Situationen: unter dichter Baumkrone, in engen Häuserschluchten zwischen hohen Gebäuden und bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten (unter etwa 5 mph). In Tunneln und Parkhäusern ohne Sicht zum Himmel hört die GPS-Geschwindigkeit einfach auf zu aktualisieren, bis du wieder im Freien bist. Google Maps geht damit elegant um und dimmt das Feld. Browser-Tachometer bleiben meist auf dem letzten Wert stehen. Die eine Android-typische Eigenheit ist die Fragmentierung: Ein günstiges Telefon mit älterem Single-Band-GPS-Chip ist eine Spur unruhiger als ein Flaggschiff mit Dualfrequenz-GNSS, aber beide landen bei Tempo innerhalb weniger mph.
Welche Methode passt für dich?
Für eine einmalige Prüfung (etwa zum Abgleich mit dem Armaturenbrett deines Autos) ist der Browser-Tachometer die einfachste Lösung. Öffnen, tippen, fertig, ohne etwas zu installieren.
Für den Alltag mit Android Auto lass den Google-Maps-Tachometer auf dem Bildschirm im Auto mitlaufen. Er ist immer da, während du navigierst, ohne Handhabung und präzise.
Für Fahrten ohne Android Auto, aber mit geöffnetem Maps auf einer Telefonhalterung, ist der eingebaute Google-Maps-Tachometer mit beiden Schaltern die beste Wahl ohne Installation.
Für alles, was über den Moment hinausgeht (eine Roadtrip-Aufzeichnung, ein Trackday-Protokoll, eine 0-bis-60-Messung, die Höchstgeschwindigkeit am Ende einer Abfahrt), ergibt eine eigene App Sinn. Dafür sind Apps schließlich da. Die Entscheidung dreht sich selten um den Geschwindigkeitswert, der überall identisch ist, sondern fast immer darum, was drum herum dargestellt wird und ob du die Daten gespeichert haben willst.
Das Fazit
Mit hoher Wahrscheinlichkeit musst du nichts installieren, um deine Geschwindigkeit unter Android zu sehen. Der Google-Maps-Tachometer und ein Browser decken den Großteil der Gelegenheitsfälle ab, und Android Auto deckt den Alltag ab. Eine eigene Play-Store-App verdient ihren Platz erst, wenn du willst, was eine App kann, das ein einzelner Bildschirm nicht bietet, und selbst dann lohnt sich vorab ein Blick auf Berechtigungen und Werbung. Die Genauigkeit ist in jedem Fall gleich. Sie kommt aus demselben Chip, der dieselben Satelliten liest und dieselbe Rechnung macht. Der Unterschied liegt in der Oberfläche, nicht in der Zahl.
Wenn du die Variante ohne Installation gleich ausprobieren willst, öffne den Live-GPS-Tachometer auf deinem Telefon. Um den Auto-Tacho gegen den GPS-Wert zu prüfen, hilft die Anleitung im Auto-Tachotest.