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Tachotest: so prüfst du die Genauigkeit deines Armaturenbretts.

Aktualisiert am 2026-05-04 · 7 Min. Lesezeit

Der Tachometer eines Autos ist so kalibriert, dass er 2 bis 5 mph zu hoch anzeigt. Das ist die werkseitige Vorgabe, kein Defekt. Aber wenn du Nicht-Serien-Reifen hast, ein älteres Fahrzeug oder einfach gesunde Neugier, lohnt es sich, den tatsächlichen Versatz an deinem konkreten Auto zu messen. Diese Anleitung zeigt, wie, allein mit dem Handy in deiner Tasche, in etwa 10 Minuten.

Was du brauchst

  • Ein Handy mit funktionierendem GPS (jedes iPhone oder Android der letzten 5 Jahre funktioniert)
  • Ein Auto mit Tempomat. Manuelles Gas-Halten geht auch, ist aber weniger präzise.
  • Eine ebene, gerade Straße mit wenig Verkehr. Eine Autobahn zwischen Städten zu Schwachlastzeiten ist ideal.
  • Etwa 10 Minuten Fahrtzeit. Das Messen selbst geht schnell, das Anfahren der passenden Straße braucht den größten Teil.

Schritt 1: den Tachometer öffnen

Öffne auf deinem Handy gpsspeedometer.io. Tippe auf den Start-Button und erlaube den Standortzugriff, wenn der Browser fragt. Der Zeiger zeigt 5 bis 30 Sekunden lang "Acquiring", während sich dein Handy auf Satelliten einnordet. Sobald der Anzeiger grün wird und "GPS Ready" zeigt, kannst du losfahren.

Befestige das Handy so, dass du es nur kurz ansehen musst, ohne den Blick länger als einen Moment von der Straße zu nehmen. Eine Halterung an der Windschutzscheibe oder an der Lüftung funktioniert gut. Halte das Handy während der Fahrt nicht in der Hand.

Schritt 2: die richtige Straße finden

GPS-Genauigkeit hängt von freier Himmelssicht ab. Der Test liefert Unsinnswerte, wenn du ihn in einem der folgenden Szenarien machst:

  • Tunnel (gar kein Signal)
  • Mehrebige Autobahnkreuze (Signalreflexionen)
  • Straßen zwischen hohen Gebäuden (Urban-Canyon-Effekt)
  • Straßen unter dichter Baumkrone (Signalabschwächung)
  • Stop-and-go-Verkehr (schwer, eine stabile Geschwindigkeit zu halten)

Die ideale Teststrecke ist eine ebene, gerade, freie Autobahn mit wenig Verkehr, auf der du den Tempomat 30 Sekunden lang konstant halten kannst, ohne abzubremsen oder die Spur zu wechseln. Eine zweispurige Landstraße oder ein ruhiger Autobahnabschnitt funktioniert gut. Vermeide Hügel, wenn du kannst. Der Tempomat schwankt bei Steigungen auf und ab, und die Schwankungen erschweren den Vergleich.

Schritt 3: den Test fahren

Mach den Test bei drei Geschwindigkeiten: 30 mph, 50 mph und 70 mph (oder 50 km/h, 80 km/h und 110 km/h, wenn du metrisch bevorzugst). Bei jeder Geschwindigkeit:

  1. Stelle den Tempomat auf die Ziel-Anzeigegeschwindigkeit.
  2. Halte mindestens 30 Sekunden konstant. So pendeln sich Tempomat und GPS-Glättung ein.
  3. Wirf einen Blick auf den GPS-Wert auf deinem Handy. Notiere beide Zahlen (Anzeige und GPS).
  4. Weiter zur nächsten Geschwindigkeit.

Du kannst alle drei in wenigen Minuten auf derselben Fahrt erledigen. Schreibe die Zahlen auf oder lass sie eine Beifahrerin oder einen Beifahrer notieren. Kopfrechnen bei 70 mph ist keine gute Idee.

Schritt 4: den Versatz berechnen

Berechne für jedes Werte-Paar den prozentualen Versatz:

Versatz % = (Anzeige − GPS) / GPS × 100

Beispiel: Anzeige 70, GPS 67. Versatz = (70 − 67) / 67 × 100 = 4,5 Prozent zu hoch.

Mach das für alle drei Messpunkte und schau dir das Muster an. Die meisten Serienautos zeigen einen konstanten prozentualen Versatz, das heißt, der absolute mph-Fehler wächst mit der Geschwindigkeit. Ein typisches neueres Auto sieht so aus:

  • Anzeige 30, GPS 29 → 3,4 % zu hoch
  • Anzeige 50, GPS 48 → 4,2 % zu hoch
  • Anzeige 70, GPS 67 → 4,5 % zu hoch

Das ist ein gesunder, normaler werkseitiger Tachometer. Der Versatz bleibt im gesetzlichen Rahmen (10 Prozent + 4 km/h in der EU, 5 mph in den USA) und irrt auf der sicheren Seite.

Schritt 5: die Ergebnisse einordnen

Vergleiche deine Zahlen mit diesen Referenzfällen:

Normal: 1 bis 6 Prozent zu hoch, mit der Geschwindigkeit wachsend

So sehen 95 Prozent der Serienautos aus. Nichts zu reparieren. Fahre nach dem Zeiger und wisse, dass deine echte Geschwindigkeit ein paar mph unter dem liegt, was das Armaturenbrett zeigt.

Hoch: 7 bis 12 Prozent zu hoch

Wahrscheinliche Ursache: kleine Räder, abgefahrene Reifen oder eine Nicht-Serien-Reifengröße, die kleiner ist als die Werksvorgabe. Vergleiche deine Reifengröße mit der Vorgabe auf dem Türaufkleber. Stimmen sie überein, wurde das Auto einfach am oberen Rand der gesetzlichen Toleranz ab Werk eingestellt, nicht jedes Auto ist gleich abgestimmt.

Unteranzeige bei irgendeiner Geschwindigkeit

Das ist ungewöhnlich und sollte untersucht werden. Die häufigste Ursache sind nachgerüstete größere Räder mit größerem Gesamtdurchmesser als die Serie. Das Armaturenbrett denkt, das Rad habe die Originalgröße. Ein größeres Rad legt pro Umdrehung mehr Strecke zurück, du bist also tatsächlich schneller als der Zeiger sagt. Eine Neukalibrierung ist empfehlenswert, weil Unteranzeige in den meisten Ländern illegal ist und du unbemerkt zu schnell fahren könntest.

Uneinheitlich (schwankt stark zwischen Geschwindigkeiten)

Der Tempomat könnte rutschen, oder du bist auf einer Straße, die zu wechselhaft ist (Hügel, Verkehr, Signalunterbrechungen). Probiere eine flachere Straße und sorge dafür, dass der Tempomat vor jeder Messung eingerastet ist.

GPS zeigt null oder springt wild

Das ist das GPS, nicht der Tachometer. Du hast wahrscheinlich schwachen Satellitenempfang. Fahre auf eine offene Straße oder warte länger auf den Fix. Ältere Handys (über 5 Jahre) rasten manchmal langsam ein, neuere Handys mit Mehrkonstellationsempfängern sind drastisch schneller.

Was bei einer echten Abweichung zu tun ist

Ist dein Tachometer deutlich daneben (mehr als 8 Prozent zu hoch oder eine beliebige Unteranzeige), hast du diese Optionen:

  • Reifengröße zuerst prüfen. Die Reifenangabe steht auf der Flanke in einem Format wie P215/55R17. Vergleiche mit der Originalvorgabe auf dem Türaufkleber oder in der Betriebsanleitung. Schon ein kleiner Wechsel auf eine Nicht-Serien-Größe kann den Tachowert um 3 bis 5 Prozent verschieben.
  • Reifenverschleiß prüfen. Reifen kurz vor den Verschleißanzeigern haben einen spürbar kleineren Umfang als neue Reifen. Abgefahrene Reifen lassen den Tachometer höher anzeigen.
  • Reifendruck prüfen. Starker Unterdruck verringert den effektiven Abrollumfang. Der Effekt ist klein (unter 1 Prozent), aber er summiert sich.
  • Den Tachometer neu kalibrieren lassen. Moderne Autos erlauben eine Firmware-Anpassung über OBD-II. Ein Diagnosegerät in jeder Tuning-Werkstatt kann den Versatz an deine Reifengröße anpassen. Die Kosten liegen meist bei 50 bis 150 USD.
  • Ältere Autos: Welle oder Sensor ersetzen. Autos vor OBD haben mechanische Tachowellen, die mit dem Alter verschleißen. Eine Spezialwerkstatt kann ersetzen oder neu kalibrieren, aber die Kosten können den Wert der Reparatur übersteigen.

Wie oft nachtesten

Einmal im Jahr reicht für die meisten Fahrerinnen und Fahrer. Reifenverschleiß über ein typisches Fahrjahr verschiebt den Tachowert um etwa 1 bis 2 Prozent. Das fällt bei einem sorgfältigen Test auf, reicht aber nicht, um anders zu fahren.

Teste auf jeden Fall nach einem dieser Punkte nach:

  • Neue Reifen (besonders bei anderer Größe oder Marke)
  • Neue Räder
  • Höher- oder Tieferlegung
  • Größere Arbeiten am Antriebsstrang

Das Fazit

Die meisten werkseitigen Tachometer zeigen 3 bis 5 Prozent zu hoch, und das ist in Ordnung. Der 10-Minuten-GPS-Test verrät dir den genauen Versatz an deinem konkreten Auto, mit deinen konkreten Reifen, heute. Sobald du den Versatz kennst, kannst du beim Blick auf den Zeiger im Kopf ein paar mph abziehen, oder du fährst weiter nach dem Armaturenbrett, im Wissen, dass deine echte Geschwindigkeit komfortabel unter dem angeschriebenen Limit liegt.

Um den Test gleich zu fahren, öffne den Live-Tachometer auf deinem Handy oder nutze unsere eigene Auto-Tachotest-Seite, die dieselben Schritte mit dem GPS-Tool direkt auf der Seite durchführt. Für die Physik dahinter, warum GPS genauer ist als dein Armaturenbrett, siehe wie genau die GPS-Geschwindigkeit deines Handys ist. Für den regulatorischen Hintergrund zur Werkskalibrierung siehe warum der Tacho deines Autos einen anderen Wert als das GPS zeigt.

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